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Typische Gefahren

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Achtung, Gefahr!

Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,

wir bringen unseren Kindern bei, an der roten Ampel zu warten und nicht mit Fremden mitzugehen. Wir kennen die Gefahren der physischen Welt und wissen, wie wir sie schützen können. Doch die digitale Welt, in der unsere Kinder heute aufwachsen, hat keine sichtbaren Ampeln und die Fremden tragen keine Masken, sondern bunte Avatare.

Für viele von uns fühlt sich diese digitale Landschaft oft wie ein Dschungel an, der sich ständig verändert. Kaum haben wir verstanden, was auf zum Beispiel auf TikTok passiert, taucht die nächste Herausforderung auf.

Unsere nachfolgenden Hinweise und Tipps sollen Ihnen helfen, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. Immer wieder erlebt man, wie schnell der Spaß in Online-Spielen kippen kann, wenn im Chat plötzlich Hass, Hetze oder Betrugsversuche den Ton angeben.

Die Herausforderungen werden komplexer:

In Social Media geht es nicht mehr nur um den Druck, perfekt auszusehen, sondern auch um Cybermobbing, das nicht an der Schultür endet.
Mit dem Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) stehen wir vor ganz neuen Fragen: Wenn Computer plötzlich täuschend echte Bilder erstellen oder Stimmen perfekt nachahmen können (sogenannte Deep Fakes), wie bringen wir unseren Kindern dann bei, was noch real ist und was nicht? Wenn ein gefälschtes Video für Mobbing genutzt werden kann, bekommt die digitale Gefahr eine neue Qualität.
Das alles klingt zunächst beunruhigend – und das darf es auch sein. Aber Panik ist kein guter Ratgeber. Ziel dieses Überblicks ist es nicht, Ihnen Angst zu machen, sondern Ihnen das nötige Grundwissen über die typischen Gefahren an die Hand zu geben. Denn nur wer die Risiken kennt, kann sie mit seinen Kindern besprechen und ihnen helfen, sich sicher und selbstbewusst im Netz zu bewegen. Die nachfolgenden Informationen sind nicht abschließend. Weitere Tipps und Hinweise finden Sie bei uns im Ratgeber unter Themen und Tipps.

 

Computerspiele & Konsolen – sicher spielen, sicher begleiten

Computerspiele gehören für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag. Doch auch in der Spielewelt gibt es Risiken: Cyberkriminelle nutzen Chats, gefälschte Angebote und die Begeisterung für neue Spiele aus, um an Zugangsdaten, Geld oder persönliche Informationen zu gelangen. Eltern sollten wissen, wo Gefahren lauern und wie sie ihre Kinder schützen können.

Spieler im Visier der Täter

Auch Spielekonsolen, Onlinegames und Gaming-Accounts sind Ziel von Betrügern. Häufig werden gefälschte E-Mails oder Webseiten im Namen bekannter Spielehersteller genutzt, um Passwörter abzugreifen. In Chats versuchen Täter, Vertrauen aufzubauen – teils mit dem Ziel, Kinder zu betrügen oder sie zu sexuellen Handlungen zu verleiten (Cybergrooming).

Wenige Regeln, viel Sicherheit

Einige einfache Maßnahmen erhöhen die Sicherheit deutlich:

  • Sichere, einzigartige Passwörter für Spiele-Accounts verwenden
  • Zugangsdaten niemals weitergeben – auch nicht an „Freunde“ im Spiel
  • Geräte vor Verkauf, Reparatur oder Entsorgung zurücksetzen und Accounts entfernen
  • Regelmäßig Backups anlegen und Passwörter ändern
  • Notfallkontakte der Spiele- und Konsolenanbieter bereithalten

Phishing & Betrug erkennen

Betrüger locken mit:

  • angeblichen Account-Problemen
  • kostenlosen Spielinhalten oder günstigen Freischaltcodes
  • Versprechen wie „Geld oder Spielwährung verdoppeln“
  • Wichtig: Keine Links aus E-Mails oder Chats anklicken, keine Codes oder Passwörter weitergeben und nur bei bekannten, seriösen Anbietern kaufen.

Vorsicht bei günstigen Angeboten

Sehr billig angebotene Spielecodes, Freischaltcodes oder Prepaidkarten sind oft gefälscht oder illegal beschafft. Diese können später gesperrt werden oder funktionieren gar nicht. Besonders riskant sind anonyme Zahlungsmethoden wie Guthabencodes oder Paysafecard bei Privatangeboten.

Cheats, Downloads & Tauschbörsen

Cheat- oder Trainerprogramme sowie Spiele aus Tauschbörsen enthalten häufig Schadsoftware. Sie gefährden nicht nur das Gerät, sondern auch persönliche Daten und können zur Sperrung des Spielekontos führen. Auch rechtliche Probleme (z. B. Abmahnungen) sind möglich.

Chats, Sprachdienste & Onlinekontakte in Videospielen/Apps

Videospiele sind heute mehr als nur Zeitvertreib; sie sind soziale Räume. Für Kinder und Jugendliche ist der „Voice Chat“ (Sprachchat über Headset) oder der Textchat im Spiel oft genauso wichtig wie der Schulhof. Sie treffen Freunde, koordinieren Strategien und haben Spaß.

Doch diese digitalen Schulhöfe haben oft keine Aufsicht. Die Anonymität des Internets lässt Hemmschwellen sinken. Was als harmloses Geplänkel beginnt, kann schnell kippen.

Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Gefahren, die Sie als Eltern kennen sollten, und wie Sie damit umgehen können.

1. Die häufigsten Gefahren im Überblick

Wir unterscheiden zwischen Gefahren für das emotionale Wohlbefinden, finanziellen Risiken und solchen, die reale physische Konsequenzen haben können.

A. Der raue Ton: Beleidigungen, Hass und Hetze

Im Eifer des Gefechts fällt oft ein rauer Ton. Man nennt das „Trash Talk“ – ein gewisses Maß an harmlosem Necken gehört zur Spielkultur dazu. Aber die Grenze zu toxischem Verhalten wird oft überschritten.

Was passiert: Kinder werden aufgrund ihrer Stimme (zu jung, weiblich), ihrer Herkunft, ihrer Religion oder einfach ihrer Spielweise massiv beleidigt.
Hass und Hetze: Dies geht über eine Beleidigung hinaus. Es beinhaltet rassistische, sexistische, antisemitische oder homophobe Äußerungen, die systematisch gegen Gruppen gerichtet sind.
Die Gefahr: Ihr Kind wird eingeschüchtert, sein Selbstwertgefühl leidet. Es lernt, dass solches Verhalten „normal“ sei, oder wird selbst zum Täter, um dazuzugehören.

B. Die Betrugsmaschen: „Scamming“ und Abzocke

Kinder sind oft gutgläubig, besonders wenn es um begehrte digitale Güter geht (z.B. „Skins“ in Fortnite oder Währungen in Roblox).

Was passiert: Betrüger bauen Vertrauen auf und versprechen Ihrem Kind seltene Gegenstände oder Spielwährung, wenn es ihnen dafür das Passwort gibt oder vorab Geld überweist.
Die Gefahr: Verlust des Spielkontos (in das oft viel Taschengeld geflossen ist), finanzieller Schaden durch Kreditkartenmissbrauch der Eltern oder Diebstahl von persönlichen Daten.

C. Wenn es real wird: Anwerben zu Straftaten und „Grooming“

Dies ist der vielleicht beunruhigendste Aspekt. Kriminelle nutzen Spielechats, um Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen.

Anwerben: Extremistische Gruppen (politisch oder religiös) nutzen Spielechats gezielt, um Jugendliche mit Propaganda zu konfrontieren und zu radikalisieren. Ebenso können kriminelle Banden versuchen, Jugendliche für illegale Aktivitäten (z.B. Drogenkurierdienste oder Online-Betrug) anzuwerben, oft unter dem Deckmantel einer „Spieler-Gilde“ oder Freundschaft.
Grooming bzw. Cybergrooming: Die gezielte Vertrauensbildung durch Erwachsene mit dem Ziel einer sexuellen Anbahnung. Das passiert nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch in Spielen.

D. Die extreme Gefahr: „Swatting“

Dieser Begriff kommt aus den USA, ist aber auch in Deutschland ein reales, wenn auch seltenes Risiko.

Was ist das? Ein Täter findet die echte Adresse eines Spielers heraus (oft durch unvorsichtige Datenweitergabe im Chat oder technische Tricks). Dann tätigt er einen anonymen Notruf bei der Polizei und behauptet, an dieser Adresse finde gerade ein schweres Verbrechen statt (Geiselnahme, Mord). Ziel ist es, dass ein schwer bewaffnetes Spezialeinsatzkommando (SWAT in den USA, SEK in Deutschland) die Wohnung stürmt.
Die Gefahr: Dies ist kein Streich. Es ist eine Straftat, die lebensgefährlich für Ihr Kind und die ganze Familie sein kann.

2. Warum passiert das? (Der „Online-Enthemmungseffekt“)

Verstehen Sie, warum Menschen online so handeln, um es Ihrem Kind zu erklären: Hinter einem Avatar und einem Spitznamen fühlen sich viele Menschen unsichtbar und unantastbar. Sie sagen Dinge, die sie sich von Angesicht zu Angesicht niemals trauen würden. Diese Anonymität ist der Treibstoff für toxisches Verhalten.

3. Warnsignale: Worauf Sie achten sollten

Ihr Kind wird Ihnen vielleicht nicht sofort erzählen, wenn etwas Schlimmes passiert ist, aus Angst, dass Sie ihm das Spielen verbieten. Achten Sie auf Verhaltensänderungen:

Stimmungsschwankungen: Wirkt Ihr Kind nach dem Spielen aggressiv, sehr traurig oder ungewöhnlich still?
Geheimniskrämerei: Schaltet es den Monitor aus oder wechselt den Tab, wenn Sie den Raum betreten?
Sprache: Benutzt Ihr Kind plötzlich Schimpfwörter oder aggressive Ausdrücke im Alltag, die es vorher nicht kannte?
Forderungen: Fragt es plötzlich dringend nach Geld oder Kreditkartendaten für das Spiel?
Rückzug: Zieht es sich von echten Freunden zurück und verbringt nur noch Zeit mit unbekannten Online-Freunden?

4. Was Sie tun können: Ein 3-Schritte-Plan

Verbote sind selten die Lösung. Sie führen nur dazu, dass Kinder heimlich spielen und sich bei Problemen nicht mehr an Sie wenden.

Schritt 1: Technische Vorsorge (Das Sicherheitsnetz)
Privatsphäre-Einstellungen prüfen: Gehen Sie gemeinsam die Einstellungen der Konsole oder des Spiels durch. Wer darf Ihr Kind kontaktieren? Wer darf sehen, wann es online ist?
Voice Chat einschränken: Bei jüngeren Kindern (unter 12-13 Jahren) ist es oft ratsam, den Sprachchat mit Fremden komplett zu deaktivieren. Erlauben Sie nur Chats mit Freunden, die Sie im echten Leben kennen.
Keine Klarnamen: Stellen Sie sicher, dass der Benutzername keinen Rückschluss auf den echten Namen, das Alter oder den Wohnort zulässt.

Schritt 2: Kommunikation (Die Vertrauensbasis)
Interesse zeigen: Lassen Sie sich das Spiel erklären. Wer sind die Leute, mit denen es spielt? Wenn Sie das Spiel verstehen, können Sie die Gefahren besser einschätzen.
Die „Offene-Tür-Politik“: Machen Sie klar: „Egal was passiert, du kannst immer zu mir kommen. Ich werde dir nicht den Kopf abreißen und ich werde nicht sofort den Stecker ziehen. Wir lösen das Problem zusammen.“
Über Daten sprechen: Erklären Sie unmissverständlich, dass niemals echte Namen, Adressen, Schulnamen oder Telefonnummern im Chat genannt werden dürfen.

Schritt 3: Handeln im Ernstfall
Wenn Ihr Kind Opfer wurde:

  • Ruhe bewahren: Schimpfen Sie nicht mit dem Kind. Es ist das Opfer.
  • Beweise sichern: Machen Sie Screenshots vom Chatverlauf. Notieren Sie Benutzernamen und Uhrzeiten.
  • Melden und Blockieren: Nutzen Sie die spielinternen Funktionen, um toxische Spieler zu melden und zu blockieren.

Externe Hilfe:

  • Bei Hasskriminalität, Androhung von Gewalt oder anderen Straftaten: Wenden Sie sich an die Polizei.
  • Bei extremistischen Inhalten: Meldestellen wie jugendschutz.net nutzen.
  • Bei psychischer Belastung: Scheuen Sie sich nicht, Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen.

Fazit: Die digitale Welt der Spiele ist faszinierend, aber sie ist kein geschützter Raum. Ihre wichtigste Rolle ist nicht die des Überwachers, sondern die des vertrauensvollen Begleiters, der da ist, wenn der Spaß aufhört.

Altersfreigaben ernst nehmen (USK)

Die Alterskennzeichen der USK sind gesetzlich geregelt und wichtige Orientierungshilfen. Eltern sollten:

  • Altersfreigaben beachten
  • Spielinhalte prüfen
  • entscheiden Sie, ob ihr Kind mit dem Spiel umgehen kann
  • Nicht jedes Spiel, das erlaubt ist, ist automatisch auch geeignet.

Kurz gesagt:
Spielen macht Spaß – aber nur mit klaren Regeln und Begleitung. Eltern schützen ihre Kinder am besten durch Aufmerksamkeit, Gespräche, technische Grundeinstellungen und ein gesundes Misstrauen gegenüber „zu guten Angeboten“.

Diese Tipps und Hinweise finden Sie auch ausführlicher bei uns unter https://www.polizei-praevention.de/themen-und-tipps/basisschutz-empfehlungen/computerspiele-und-konsolen

 

Social Media, Chats und Messenger

Auch hier lauern ständig Gefahren, die Ihr Kind so ggf. noch nicht richtig einschätzen kann.

 

Kettenbriefe & Drohnachrichten

Kettenbriefe gibt es schon lange. Heute werden sie vor allem über WhatsApp, soziale Netzwerke oder andere Messenger verbreitet. Typisch sind Nachrichten wie:
„Schick das an 20 Freunde, sonst passiert etwas Schlimmes.“

Für Erwachsene ist das meist als Unsinn erkennbar – Kinder jedoch nehmen solche Drohungen oft ernst. Besonders Audio-, Bild- oder Videonachrichten wirken sehr real und können große Angst auslösen. Manche Kinder schlafen schlecht oder trauen sich nicht, die Nachricht zu ignorieren.

Wichtig für Eltern:

  • Kettenbriefe sind immer falsch.
  • Es passiert nichts, wenn man sie nicht weiterleitet.
  • Das Weiterverbreiten kann andere Kinder verängstigen – und im schlimmsten Fall sogar rechtliche Folgen haben.
  • Empfehlung: Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, erklären Sie ruhig den Hintergrund und raten Sie klar dazu, solche Nachrichten zu löschen und nicht weiterzuleiten.

Risiken durch Kettenbriefe und ähnliche Nachrichten

  • Angst, Unsicherheit und Stress bei Kindern
  • Streit oder Mobbing, wenn jemand „nicht mitmacht“
  • Verbreitung von gefährlichen Links oder Schadsoftware
  • Kosten durch Abofallen oder fehlende Daten-Flatrates
  • Weitergabe verbotener oder problematischer Inhalte

Ausführlichere Informationen zu Kettenbriefen finden Sie hier bei uns im Ratgeber 

Cybergrooming & „Taschengeld-Treffen“ – wenn Fremde Kinder gezielt ansprechen

Manche Erwachsene suchen gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen über Chats, Spiele oder soziale Netzwerke. Sie geben sich freundlich, machen Komplimente oder bieten kleine Geldbeträge („Taschengeld-Treffen“) an. Ziel ist fast immer ein sexueller Kontakt – online oder später auch im echten Leben.

Warnzeichen können sein:

  • Rückzug, Stimmungsschwankungen
  • Heimliches Verhalten am Handy
  • Unerklärliche Geschenke oder Geld

Ganz wichtig: Kinder müssen wissen, dass sie keine Schuld tragen und sich immer an ihre Eltern wenden dürfen – ohne Angst vor Strafe.

Ausführliche Informationen zu Cybergrooming mit weiteren Verlinkungen und Hilfsangeboten finden Sie hier im Ratgeber.

Cybermobbing – kein harmloser Spaß

Beleidigungen, Bloßstellen oder das Weiterverbreiten peinlicher Inhalte passieren heute oft digital und rund um die Uhr. Was für Täter manchmal „Spaß“ ist, kann für Betroffene sehr belastend sein.

Eltern sollten:

  • Veränderungen im Verhalten ernst nehmen
  • Ihr Kind ermutigen, offen zu sprechen
  • Hilfe bei Schule, Beratungsstellen oder Polizei suchen

Ausführliche Informationen zu Cybermobbing mit weiteren Verlinkungen und Hilfsangeboten finden Sie hier im Ratgeber.

Sexting – intime Bilder sind kein privater Spaß

Viele Jugendliche verschicken intime Fotos aus Neugier, Liebe oder Gruppendruck. Das große Risiko:
Bilder können weitergeleitet werden – oft unkontrollierbar und dauerhaft.

Folgen können sein:

  • Bloßstellung, Mobbing, Erpressung
  • Probleme in Schule, Ausbildung oder Beruf
  • Hohe seelische Belastung
  • Klare Empfehlung der Polizei:
  • Keine intimen Bilder erstellen oder verschicken.

Was Eltern konkret tun können:

  • Frühzeitig und regelmäßig über Risiken sprechen
  • Interesse zeigen: Apps, Spiele und Chats gemeinsam anschauen
  • Klare Regeln vereinbaren
  • Vertrauen aufbauen – nicht bestrafen, wenn etwas passiert
  • Beweise sichern (nach Rücksprache mit der Polizei)
  • Vorfälle melden und Hilfe holen

Merksatz für Eltern
Digitale Gefahren lassen sich nicht vollständig verhindern – aber Kinder lassen sich stark machen, wenn sie wissen:

Ich darf Nein sagen. Ich darf abbrechen. Und ich darf mit meinen Eltern darüber reden.

Ausführliche Informationen zu Sexting mit weiteren Verlinkungen und Hilfsangeboten finden Sie hier im Ratgeber.

Sextortion – Wenn der Online-Flirt zur Erpressung wird

Das Internet und soziale Netzwerke sind fester Bestandteil des Lebens unserer Kinder. Doch dort lauern auch Gefahren, die sehr intim werden können. Eine besonders perfide Masche, die leider weltweit zunimmt und auch vor Jugendlichen nicht haltmacht, ist „Sextortion“.

Hier erfahren Sie, was sich hinter dem Begriff verbirgt, wie die Täter vorgehen und wie Sie Ihr Kind schützen können.

Was ist Sextortion?

Das Wort setzt sich aus „Sex“ und „Extortion“ (englisch für Erpressung) zusammen. Es handelt sich um eine Betrugsmasche, bei der Opfer mit intimem Bild- oder Videomaterial von sich selbst erpresst werden. Die Drohung lautet: Zahle Geld, oder wir veröffentlichen die Aufnahmen im Internet und schicken sie an deine Freunde und Familie.

Wie gehen die Täter vor? Die typische Falle

Der Köder: Täter erstellen attraktive Fake-Profile auf Instagram, TikTok, Snapchat oder Dating-Plattformen. Sie nehmen Kontakt auf und bauen gezielt Vertrauen und eine „Online-Beziehung“ auf.
Die Falle: Wenn das Vertrauen groß genug ist, locken sie das Opfer in einen privaten Videochat (z.B. über WhatsApp oder Snapchat). Dort überreden sie das ahnungslose Opfer zu freizügigen Posen oder sexuellen Handlungen vor der Webcam.
Die Aufnahme: Was das Opfer nicht weiß: Der Chatpartner zeichnet alles heimlich auf. Manchmal ist das Gegenüber im Video gar nicht echt, sondern es werden nur fremde Aufnahmen abgespielt.
Die Erpressung: Kurz darauf folgt die böse Überraschung. Der Täter fordert Geld (oft zwischen 150 und 10.000 Euro) und droht damit, das Video an die gesamte Freundesliste zu senden oder auf YouTube hochzuladen.
Neue Gefahr durch KI: Es wird noch perfider. Täter nutzen inzwischen Künstliche Intelligenz (sogenannte „Deepfakes“), um aus einem völlig harmlosen Profilfoto (einem normalen Selfie) täuschend echte Nacktbilder oder -videos zu erstellen, um damit zu erpressen.

Wie können Sie und Ihr Kind sich schützen?

Die wichtigste Waffe ist das offene Gespräch. Die Scham bei den Betroffenen ist riesig, deshalb zahlen viele lieber, als sich zu offenbaren. Ihr Kind muss wissen, dass es bei Ihnen Hilfe findet, keine Vorwürfe.

Wichtige Regeln für Ihr Kind:

  • Datensparsamkeit: So wenig persönliche Infos wie möglich öffentlich machen (keine Adresse, Schule, voller Name).
  • Profil-Check: Profile in sozialen Netzwerken auf „Privat“ stellen. Besonders wichtig: Die Freundesliste verbergen („Nur ich“ kann sie sehen). Täter suchen gezielt nach Opfern, deren Freundesliste offen einsehbar ist, um die Drohkulisse aufzubauen.
  • Misstrauen: Gesundes Misstrauen ist wichtig, wenn Online-Bekanntschaften sehr schnell auf intime Themen drängen oder sofort in einen privaten Videochat wechseln wollen.
  • Webcam-Sicherheit: Webcams am Laptop abkleben oder abdecken, wenn sie nicht genutzt werden. Schadsoftware kann sie unbemerkt aktivieren.

Der Notfallplan: Was tun, wenn es passiert ist?

Wenn sich Ihr Kind Ihnen anvertraut, bewahren Sie Ruhe. Machen Sie keine Vorwürfe – Ihr Kind ist das Opfer einer Straftat.

  • Kontakt sofort abbrechen: Nicht mehr antworten, Täter blockieren.
  • NIEMALS ZAHLEN: Gehen Sie nicht auf die Erpressung ein. Die Forderungen hören nach einer Zahlung oft nicht auf.
  • Kein weiteres Material senden: Nichts mehr verschicken, auch wenn danach gefragt wird.
  • Beweise sichern: Machen Sie Screenshots von allen Chatverläufen, dem Profil des Täters und den Forderungen, bevor Sie blockieren.
  • Anzeige erstatten: Gehen Sie mit den Beweisen unverzüglich zur Polizei.
  • Hilfe beim Löschen suchen: Wenn Material auftaucht, melden Sie es beim Plattformbetreiber zur Löschung. Es gibt spezialisierte Hilfsangebote wie TakeItDown oder Stopncii, die beim Entfernen von Bildern helfen können.

Challenges – Vom Spaß zur Gefahr

Challenges, oder anders auch Mutproben oder Herausforderungen genannt, sind in den Sozialen Netzen ständig zu finden. Einige sind lustig und harmlos, andere für einen guten Zweck. Widerum andere sind riskan, gesundheitschädlich oder sogar lebengefährlich.

Generell sollte überdacht werden, was hinter einer solchen Challenge steckt und welche Folgen diese und deren Veröffentlichung in den Sozialen Medien haben könnte. So kann ein lustiges Video schnell gegen einen verwendet werden. Besonders dann, wenn eine hohe Reichweite erzielt wurde, gibt es immer wieder Neider und Personen, die Hasskommentare abschicken. Auch eine spätere Verwendung der Inhalte (z.B. lustige Grimassen) gegen einen sind denkbar. Denken Sie also an die entsprechenden Einstellungen im Bereich Privatshpähre und Sicherheit. Teilen Sie Inhalte bei Bedarf nur mit einem engen Freundeskreis. Beachten und Respektieren Sie die Rechte anderer Personen, die ggf. im Bild-/Videomaterial zu sehen sein könnten. Vorsicht, wenn Sie Ihre Aufenthaltsorte bekanntgeben.

Gefährliche Challenges könnten zu schwerwiegenden Verletzungen und sogar zum Tode der durchführenden oder teilnehmenden Person führen. Nicht jede Person, besonders Kinder und Jugendliche, können solche Gefahren einschätzen. Sie sehen eher den Spaß und die Herausforderung, die im Post eines anderen Socialmedia-Teilnehmers geteilt werden.

Eine sehr gute Übersicht bieten die Webseiten schau-hin und klicksafe. Infovideo.

Pranks

Pranks sind Streiche, die u.a. mit versteckter Kamera gefilmt werden. Nicht immer sind Pranks nur lustig. Es können auch gefährliche Inhalte vorhanden sein, die andere Personen schädigen. Das können einfache Sachschäden, aber auch körperliche Schäden sein. Oft wird nicht über die Folgen und Verletzung von Rechten anderer eines solchen Streiches nachgedacht, da besonders auch die vorgelebten Postings in den sozialen Netzwerken meist nur die lustigen Elemente und weniger die weiteren Folgen zeigen. Klicksafe bietet hier weiteres Material an.

Fake News: Wenn Nachrichten nicht stimmen

In sozialen Netzwerken werden täglich unzählige Beiträge geteilt. Manche sind harmlos, wie das Foto der eigenen Katze. Andere können problematisch sein, wenn sie unwahre Informationen enthalten.

Das Problem mit der KI: Künstliche Intelligenz (KI) macht es immer einfacher, Inhalte zu erstellen. Doch eine KI kann nicht unbedingt zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Wenn man eine KI nach Informationen fragt, kann die Antwort eine Mischung aus Fakten und Falschinformationen sein, oft ohne dass die Quellen genannt werden. Das macht es schwer, die Richtigkeit zu überprüfen.
Rechtliche Folgen: Lügen an sich ist meist nicht strafbar. Aber wenn durch das Weglassen, Hinzufügen oder Verdrehen von Tatsachen Straftatbestände erfüllt werden, kann es ernst werden. Dazu gehören Beleidigung, Bedrohung, üble Nachrede oder Volksverhetzung.
Vorsicht beim Teilen: Nicht nur das Erstellen, auch das Teilen solcher Beiträge kann unter Umständen rechtliche Konsequenzen haben, wie Abmahnungen oder sogar Geldstrafen. Selbst ein „Like“ kann von Gerichten als Zustimmung gewertet werden.

Was Sie tun können:

  • Prüfen Sie den Inhalt und die Quelle, bevor Sie etwas glauben oder weiterleiten.
  • Nutzen Sie Faktencheck-Seiten wie mimikama.at, hoaxsearch.com, den ARD-Faktenfinder oder Correctiv, um Falschmeldungen zu entlarven.
  • Leiten Sie ungeprüfte Beiträge nicht weiter und machen Sie sich nicht zum unfreiwilligen Verbreiter von Fake News.

Ausführlicher wird diese Problematik hier bei uns im Ratgeber beschrieben https://www.polizei-praevention.de/themen-und-tipps/straftaten-im-netz/sonstige#Fake_News_-_Falschmeldungen_und_Desinformation

Hass im Netz: Wenn Worte zu Waffen werden

Hasskommentare sind leider keine Seltenheit mehr. Ein harmloser Beitrag kann plötzlich eine Welle von negativen, beleidigenden oder bedrohlichen Kommentaren auslösen.

Was Sie tun können:

  • Gegenrede (Counterspeech): Lassen Sie Hassbotschaften nicht unwidersprochen stehen.
  • Dokumentieren: Sichern Sie Beweise durch Screenshots von Chatverläufen, E-Mails oder Sprachnachrichten.
  • Melden: Nutzen Sie die Meldefunktionen der sozialen Netzwerke, um Verstöße anzuzeigen.
  • Anzeige erstatten: Wenn Sie oder Ihr Kind direkt betroffen sind (z.B. durch Beleidigung oder Bedrohung), erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Sichern Sie vorher unbedingt die Beweise, da Täter ihre Kommentare oft schnell wieder löschen.

Ausführlicher wird diese Problematik hier bei uns im Ratgeber beschrieben https://www.polizei-praevention.de/themen-und-tipps/straftaten-im-netz/sonstige#Hass_im_Netz

Deep Fakes: Wenn Videos täuschend echt gefälscht sind

„Deep Fakes“ sind mithilfe von KI so manipulierte Bilder, Videos oder Tonaufnahmen, dass sie täuschend echt wirken.

Die Gefahr: Früher brauchte man dafür Expertenwissen, heute reichen oft einfache Smartphone-Apps. So können Gesichter, das Geschlecht oder das Alter von Personen in Videos verändert werden. Sogar manipulierte Live-Videos sind möglich.

Wie man sie erkennt (ein paar schnelle Tipps):

  • Achten Sie auf Bildfehler oder unnatürliche Bewegungen, besonders wenn sich die Person dreht oder bewegt.
  • Ist die Mimik vielleicht zu starr oder einseitig?
  • Gibt es Unstimmigkeiten zwischen dem Ton und den Lippenbewegungen?
  • Klingt die Stimme ungewöhnlich oder verwendet die Person untypische Wörter?

Was Sie tun können:

  • Seien Sie misstrauisch bei ungewöhnlichen Nachrichten oder Forderungen, insbesondere wenn es um Geld geht.
  • Kontaktieren Sie die Person über einen anderen, Ihnen bekannten Weg (z.B. Telefon), um die Echtheit zu überprüfen.
  • Wenn Sie selbst betroffen sind, sichern Sie Beweise (Screenshots, Abfilmen des Bildschirms) und erstatten Sie Anzeige.

Ausführlicher wird diese Problematik hier bei uns im Ratgeber beschrieben https://www.polizei-praevention.de/themen-und-tipps/straftaten-im-netz/sonstige#Deep_Fake_und_kunstliche_Intelligenz

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