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Betrug in Immobilien- oder Autobörsen

HINWEIS: Dieser Artikel wurde vor über einem Jahr veröffentlicht. Daher kann es sein, dass Links und Bildbeispiele teilweise nicht mehr aktuell sind bzw. von uns oder dem Anbieter entfernt wurden.

Vorsicht vor gefälschten Angeboten


Zur Zeit kommen vermehrt Anfragen zu den Betrugsmaschen über Immobilien- und Autobörsen im Internet. Die Zusender haben den Betrug in der Regel noch rechtzeitig erkannt, aber wir möchten dennoch ein paar wichtige Tipps zu den Vorgehensweisen der Täter geben, damit Sie nicht auf die Tricks hereinfallen.

Ähnliche Tricks wenden die Täter auch bei Tierverkäufen und Datingbörsen an. Weitere Infos dazu finden Sie hier bei uns.

Im Grunde sind die Vorgehensweisen der Täter eigentlich gleich. Die Täter handeln in der Regel auf zwei Wegen gleichzeitig und haben dabei einige Varianten, von denen wir Ihnen die gängigen Beispiele zeigen möchten.

1. Gesucht wird ein Geldgeber
Dies ist der Käufer/Kaufinteressent einer Immobilie oder eines Fahrzeuges. Dieser entdeckt in der entsprechenden Onlineplattform die Immobilie oder das Fahrzeug.
Das Angebot für die „tolle“ Wohnung oder das Fahrzeug ist „unglaublich günstig“ und verleitet zur Kontaktaufnahme. Meldet sich der potentielle Käufer beim Anbieter, so bekommt man relativ schnell eine Antwort. Angeblich sei man nicht mehr in Deutschland (z.B. Jobwechsel, Militärangehöriger usw.). Die Wohnung oder das Fahrzeug seien aber noch in Deutschland oder könnten nach Deutschland gebracht werden. Hierfür würden jedoch Kosten anfallen (z.B. als Kaution). Wird diese vorab bezahlt, so würde man z.B. den Schlüssel für die Wohnung mit der Post bekommen. Das Geld müsse auf ein Konto überwiesen werden bzw. auf eine Treuhandkonto eingezahlt werden. Im Falle eine Nichtkaufes würde man das Geld wiederbekommen.

2. Gesucht wird ein Kontoinhaber
Hier werden sogenannte Finanzagenten benötigt. Diese wurden z.B. über Spammails zuvor auf einen einfachen und lohnenswerten Job bei einer internationalen Firma angeworben. Man müsse lediglich Geld auf seinem eigenen Konto empfangen und entsprechend der Anweisungen weiterleiten. Dies sei alles legal und man müsse sich keine Gedanken über die Gesetze der EU und Deutschland machen.
Tatsächlich wird hier aber der neue Arbeitnehmer für die Geldwäsche missbraucht. Das Geld stammt nicht aus Firmengeschäften und geht auch nicht an andere Firmen (nebenbei bemerkt: In der heutigen Zeit werden für solche internationalen Bankgeschäfte keine Mittelsmänner benötigt!). Das Geld stammt von den betrogenen Kaufinteressenten und geht dann oft an weitere Mittelsmänner.

Nun haben die Täter haben alles, was benötigt wird. Das besondere daran ist, dass diese die Tricks nahezu anonym ausführen können, da sie entsprechende Dienste (auch im Ausland) benutzen.

3. Alternativen
Personen, die Fahrzeuge über das Internet verkaufen wollen, werden ebenfalls von den Tätern angeschrieben. Die Täter gaukeln Interesse am Fahrzeug vor. Hier werden die Fahrzeuge entweder bezahlt oder bei der Übergabe gewaltsam abgenommen. Die Bezahlung erfolgt mittels Überweisungen von missbrauchten Onlinebankingkonten, mit gefälschten Schecks oder mit Überweisungen auf das eigene Konto, die jedoch „versehentlich“ höher ausgefallen sind. Zuviel bezahlte Beträge sollen dann bitte zurücküberwiesen werden (Geldwäsche!). Ggf. wurde das Auto noch übergeben und ist somit auch weg. In einer weiteren Variante wird ein Treffpunkt vereinbart für die Fahrzeugübergabe. Dort wird der Verkäufer gewaltsam zur Herausgabe des Fahrzeuges gezwungen. Letzteres ist auch schon bei Fahrzeugkäufen vorgekommen, wo die Täter dann das Geld forden, welches die Käufer mitgebracht haben.
Für den Immobilienmarkt sind auch noch die Vermietung von Ferienwohnungen interessant. Auch hier werden Urlaubswohnung angeboten, die es so nicht gibt oder über die der angebliche „Vermieter“ gar nicht selbst verfügt. Der Schock kommt dann meist am Urlaubsort, wenn man vor einer „nicht existenten Wohnung“ steht oder die Wohnung bereits vom echten Vermieter bereits vergeben wurde.

Vorsicht bei Treuhandkonten
Bieten die Täter als Alternative Treuhandkonten an, so sollten Sie vorab genau prüfen, um welchen Anbieter es sich handelt. Nicht selten werden auch angebliche Treuhänder erfunden, für die sogar Webseiten erstellt werden.

Vorsicht bei Transportdiensten
Bieten die Täter Transportdienste an, die Sie nicht kennen, so sollten Sie ebenfalls vorsichtig sein. Denn auch hier werden Firmen (Transportdienste, Autohäuser) erfunden und mit gefalschten Webseiten versehen, um Seriösität vorzugaukeln. Sendungsdaten nur Liefernachverfolgung sind dann meist auch gefälscht.

Suchen Sie lieber einen entsprechenden Dienst selbst aus! Fragen Sie z.B. Ihre Bank oder einen Ihn bekannten Transportdienstleister.

Vorsicht bei Bekanntgabe und Übersendung sensibler Daten!
Nicht selten bitten die Täter um die Übermittlung von persönlichen Daten (z.B. Ausweiskopie) und Fahrzeugdaten (Kopie der Zulassungsbescheinigungen), um sich vor „Betrügern abzusichern“. Schicken Sie diese Daten an die Täter, werden diese für weitere Betrugsdaten verwertet. So können die Täter Autos erfinden, die gar nicht in deren Besitz sind.

Woher stammen die Verkaufsdaten?
Die Täter nutzen andere Verkaufsanzeigen und kopieren daraus die entsprechenden Angaben und Bilder. Auch Zulassungsbescheinigungen (siehe Abschnitt vorher) werden als angeblicher Besitznachweis verschickt.
Sie können über die Google Bildersuche nach Bildern aus Anzeigen suchen, um zu prüfen, ob das Bild bereits an anderer Stelle (z.B. Wohnung in Berlin, statt Bonn) verwendet wurde. Entsprechende Links zu den Bildern oder sogar das Bild direkt können per „Paste and Copy“ oder „Drag and Drop“ in die Bildersuche kopiert oder mit der Maus gezogen werden. Die Bildersuche zeigt Ihnen dann im Ergebnis, wie oft und wo im Netz das Bild noch gefunden wurde. Ebenso werden ähnliche Bilder ausgeworfen.

Was kann ich noch machen?
Recherchieren Sie im Netz nach dem Angebot. Nutzen Sie Suchmaschinen für die Angaben aus der Anzeige. Prüfen Sie Mailadressen, Adressdaten und Telefonnummern in Karten- und Telefonsuchen. Nutzen Sie auch Goolge-Streetview, soweit vorhanden, um sich die Situation vor Ort anzuschauen.

Sie haben bereits auf eine entsprechende Anzeige reagiert?
Solange Sie noch keine persönlichen/sensiblen Daten übermittelt oder Geld überwiesen/empfangen haben, ist noch nicht viel passiert. Es könnte auch eine seriöse Anzeige gewesen sein. An eine Anzeigenerstattung bei der Polizei sollten Sie erst denken, wenn dies bereits geschehen ist und der Verkauf sich entsprechend als Betrug herausgestellt hat.

Melden Sie auf jedenfall gefälschte Anzeigen an den entsprechenden Portalbetreiber, damit keine weiteren Personen auf die Täter hereinfallen.

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